Goslarsche Zeitung, 5.Mai 2008, von Sabine Kempfer, Fotos: Zietz
Die Plaza wird zum Museumsufer
Zinnfigurenmuseum in der Lohmühle eröffnet – Lob für die geleistete Arbeit und ein herausragendes Domizil
GOSLAR. Jeder
Umzug birgt eine Chance. Die Chance auf einen
Neuanfang, darauf, gründlich zu entrümpeln, sich
etwas Neues zu gönnen und die schönsten Sachen
wieder ins rechte Licht zu rücken. Das
Zinnfigurenmuseum nutzt diese Chance. Im neuen
Domizil in der Lohmühle wurde am Wochenende
Einweihung gefeiert.
Das Museum in der Mühle ist ein Schatz im Schatz. Bevor sich am Sonntag die Türen für alle öffneten und die Besucher in der Schauwerkstatt nach Herzenslust selbst Zinnfiguren gießen und bemalen durften, traf sich am Samstag die Zinnfigurenfamilie mit Freunden und Förderern zur Feierstunde. An deren Ende wurde Oberbürgermeister Henning Binnewies die Ehre zuteil, das blaue Band durchzuschneiden und den Weg in alle Etagen freizugeben.

Antje
Baensch (Mitte), ehrenamtliche Leiterin des
Zinnfigurenmuseums in der Lohmühle blickt
den kleinsten Künstlern über die Schulter:
Kinder und Erwachsenen konnten gestern in
der Museumswerkstatt selbst kreativ werden
und Figuren bemalen.
Das Museum in der Mühle ist ein Schatz im Schatz. Bevor sich am Sonntag die Türen für alle öffneten und die Besucher in der Schauwerkstatt nach Herzenslust selbst Zinnfiguren gießen und bemalen durften, traf sich am Samstag die Zinnfigurenfamilie mit Freunden und Förderern zur Feierstunde. An deren Ende wurde Oberbürgermeister Henning Binnewies die Ehre zuteil, das blaue Band durchzuschneiden und den Weg in alle Etagen freizugeben.

Was ist
schöner? Haus oder Interieur? Die Zinnfiguren
werden in dem historisch-architektonischen
Schmuckstück würdig präsentiert.
Besondere Bilderbücher
Dort warten
15000 Zinnfiguren in 80 Dioramen (Schaubilder)
darauf betrachtet zu werden – teilweise in neuen
Zusammenstellungen, teilweise mit neuen
Hintergründen, allesamt in eigens angefertigten
Vitrinen mit einer ausgeklügelten indirekten
Beleuchtung. Die dreidimensionalen, plastischen
„Bilderbücher“ sind auf der einen Seite
Kunstwerke, deren Details man nicht müde wird,
zu bestaunen, auf der anderen Seite bieten sie
in ihrer Gesamtheit anschaulichen
Geschichtsunterricht – inklusive Goslarer Stadt-
und Harzer Regionalgeschichte mit Bergbau und
mehr. „ Der Mai der bringt uns mancherlei“,
sangen Ehrenmitglied Borris (Bornhof) und
Johannes (Emmel) aus Hameln, längst die
„Hausmusiker“ des Museums. In diesem Fall bringt
der Mai ein neues Museum – was nicht allein bei
den „Eltern“ Achim und Antje Baensch die
besungenen „Glücksgefühle“ auslösen dürfte. „Wir
haben es geschafft“, freut sich auch Dr. Uwe
Thieme, der nur noch einen Wunsch hat: Die
Museumsplaza möge fortan Museumsufer heißen.
Thieme ist Vorsitzender des Förderkreises, der
das kulturhistorische Spezialmuseum trägt.
Museen, die sich ausschließlich der Zinnfigur
widmen, sind selten. Goslar spielt in der
obersten Liga. Dr. Wolfgang Weiß, Präsident der
deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler
kulturhistorischer Zinnfiguren, ließ per
Grußwort ausrichten, das Zinnfigurenmuseum in
Goslar sei nicht nur das kreativste, sondern
auch das aktivste Museum in Deutschland.
„Eine Augenweide“
Die besten
Wünsche aus Berlin überbrachte
Zinnfigurenexperte und Sammler Hans-Rudolf
Schmuck in seinem Festvortag, lobte Lage und
Beleuchtung und sprach von einer „Augenweide“.
Sammler seien Amateurhistoriker, eigneten sich
aber oft Spezialwissen an, das viele Experten in
Verlegenheit bringen würde. Welche Bekleidung,
Bewaffnung, Vegetation, Tierwelt und Architektur
zu einer Epoche gehört – der Zinnfigurensammler
mit seiner Leidenschaft fürs Originalgetreue
weiß es genau.
Museumsleiterin Antje Baensch stellte die Pläne des „Zinnfigurenmuseums am Museumsufer“ vor – dazu gehörte neben einem Ausbau der modernen, computergestützten Museumspädagogik die Erarbeitung einer mehrsprachigen Audioführung und die Veranstaltung von zwei Sonderausstellungen im Jahr.
Museumsleiterin Antje Baensch stellte die Pläne des „Zinnfigurenmuseums am Museumsufer“ vor – dazu gehörte neben einem Ausbau der modernen, computergestützten Museumspädagogik die Erarbeitung einer mehrsprachigen Audioführung und die Veranstaltung von zwei Sonderausstellungen im Jahr.

Dr.Uwe
Thieme, Vorsitzender des Förderkreises, lobt die
Zusammenarbeit mit der Stadt und dankt dem Team
des Museums für sein Engagement.

Großartige
Einblicke in die Vergangenheit genießen (v.l.)
Achim Baensch, Achim Jahns und Tristan Niewisch
am Breiten Tor.
DATEN & FAKTEN
- Vor 23
Jahren wurde das Zinnfigurenmuseum in einem
städtischen Gebäude (Weißer Schwan) von einem
Förderkreis aus dem Nicht aufgebaut, eröffnet
und seitdem kontinuierlich ausgebaut.
Die Stadt Goslar sanierte die Löhmühle aus dem 16.Jahrhundert für mehr als eine halbe Million Euro, die Hälfte stammt aus EU-Fördermitteln.
Der Förderkreis richtet das neue Domizil in dreieinhalb Monaten für 50000 Euro ein. Der Großteil der Arbeiten wurde in Eigenleistung erbracht.
Das Museum hat täglich außer Montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 4 Euro, Kinder die Hälfte Eine Familienkarte kostet 9 Euro.