Neue
Wernigeröder Zeitung vom 03.09.2008
Geschichte und Geschichten in Zinn
Besuch in einem der schönsten Zinnfigurenmuseen in Deutschland
Das
Zinnfiguren-Museum, 1984 durch den
„Förderkreis Goslarer
Zinnfiguren-Museum e.V.“ mit seinem
1. Vorsitzenden Joachim Baensch
gegründet und 1985 im „Weißen
Schwan“ eröffnet, ist umgezogen. Es
hat sein neues Domizil in der
restaurierten, unter Denkmalschutz
stehenden, Lohmühle am Klapperhagen
bezogen. Das musste ich mir ansehen!
Entlang am idyllischen Museumsufer
habe ich es sofort gefunden.

Die
weit geöffnete Tür lädt mich ein,
und augenblicklich kommt die
Museumsleiterin Antje Baensch auf
mich zu. Das Leuchten in ihren Augen
verrät mir, dass mich hier etwas
ganz besonderes erwartet.„Bitte
schauen Sie…“Das lass` ich mir nicht
zweimal sagen. „Das ist unsere
Geburtstagstafel.“
Oh, da komme ich unpassend, denke ich noch, erfahre aber im gleichen Moment: Hier können Kindergruppen aus nah und fern ihre Geburtstage feiern. Das Geburtstagskind und seine Gäste dürfen dabei ihre eigenen Zinnfiguren gießen. Soll es ein Pferd, ein Dino, ein Elefant oder ein Einhorn sein? Alles ist möglich. Ich bin beeindruckt und überzeugt, dass solch einen originellen Geburtstag kein Kind jemals wieder vergessen wird. Doch das ist lange nicht alles – das Zinnfiguren-Museum ist ein wahres Kinderparadies. Eine Schau mit 30 Märchenszenen aus Zinn ist als Quiz gestaltet. Und die Spielfiguren sollen mit Hilfe moderner Technik erlebbar gemacht werden. Sogar ein Computerterminal für große und kleine Interessierte ist im Nebenraum zu bewundern. Wenn der Ofen mit dem Zinn bollert, dürfen die Kinder den Museumsleuten beim Gießen, Entgraten und Bemalen über die Schulter schauen. Mucksmäuschenstill sitzen sie auf ihren kleinen Stühlchen und staunen…
„Film ab“, heißt es täglich im Museumsfoyer. Ich erlebe von der Gründungszeit an bis ins heutige Zinnfigurenparadies alle Ereignisse hautnah und sehe zu, wie eine Zinnfigur entsteht. Vollauf begeistert erfahre ich, dass dem Goslarer Zinnfiguren-Museum im Jahre 2001 der „Museumspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung“ verliehen wurde.
Oh, da komme ich unpassend, denke ich noch, erfahre aber im gleichen Moment: Hier können Kindergruppen aus nah und fern ihre Geburtstage feiern. Das Geburtstagskind und seine Gäste dürfen dabei ihre eigenen Zinnfiguren gießen. Soll es ein Pferd, ein Dino, ein Elefant oder ein Einhorn sein? Alles ist möglich. Ich bin beeindruckt und überzeugt, dass solch einen originellen Geburtstag kein Kind jemals wieder vergessen wird. Doch das ist lange nicht alles – das Zinnfiguren-Museum ist ein wahres Kinderparadies. Eine Schau mit 30 Märchenszenen aus Zinn ist als Quiz gestaltet. Und die Spielfiguren sollen mit Hilfe moderner Technik erlebbar gemacht werden. Sogar ein Computerterminal für große und kleine Interessierte ist im Nebenraum zu bewundern. Wenn der Ofen mit dem Zinn bollert, dürfen die Kinder den Museumsleuten beim Gießen, Entgraten und Bemalen über die Schulter schauen. Mucksmäuschenstill sitzen sie auf ihren kleinen Stühlchen und staunen…
„Film ab“, heißt es täglich im Museumsfoyer. Ich erlebe von der Gründungszeit an bis ins heutige Zinnfigurenparadies alle Ereignisse hautnah und sehe zu, wie eine Zinnfigur entsteht. Vollauf begeistert erfahre ich, dass dem Goslarer Zinnfiguren-Museum im Jahre 2001 der „Museumspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung“ verliehen wurde.
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Das
haben sich die ehrenamtlichen
Mitarbeiter, die ihr Herzblut in
jedes noch so kleines Figürchen
legen, redlich verdient. Allen voran
der Gründer des Förderkreises
Joachim Baensch mit seinem
ausgeklügelten Konzept, das
geschichtsträchtige Goslar anhand
anschaulicher Zinnfigurenkunst
aufzuzeigen.
Am Anfang waren seine Idee und die Planung. Es folgten erste Leihgaben, meisterliches Können, immense Eigeninitiativen, Konzeptionen sowie unendlich viel ehrenamtliche Arbeit. Auch der Leidenschaft von Wolfgang Frank ist es zu verdanken, dass die rund 15000 Zinnfiguren auf verschiedenste Weise in 80 anschaulichen – teilweise selbstgefertigten – Dioramen dargestellt sind. Dieses kulturelle Prachtstück wird von der Stadt Goslar unterstützt. Welch ein Segen! So macht die Aktion noch mehr Freude. Ich lerne das Multitalent Herrn Tuchenhagen kennen, darf zusehen, wie er mit leichter Hand eine Zinnfigur bemalt. Später treffen wir uns am Eingang im Museumsshop wieder, wo er eben die Flachfigur „Butterhanne“ verkauft. Dann zeigt er mir eine Bücherecke zur Zinnfigurenthematik. Sogar eine eigene Zeitung hat die Zunft: „Die Zinnfigur“, Monatszeitschrift der deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren.
Am Anfang waren seine Idee und die Planung. Es folgten erste Leihgaben, meisterliches Können, immense Eigeninitiativen, Konzeptionen sowie unendlich viel ehrenamtliche Arbeit. Auch der Leidenschaft von Wolfgang Frank ist es zu verdanken, dass die rund 15000 Zinnfiguren auf verschiedenste Weise in 80 anschaulichen – teilweise selbstgefertigten – Dioramen dargestellt sind. Dieses kulturelle Prachtstück wird von der Stadt Goslar unterstützt. Welch ein Segen! So macht die Aktion noch mehr Freude. Ich lerne das Multitalent Herrn Tuchenhagen kennen, darf zusehen, wie er mit leichter Hand eine Zinnfigur bemalt. Später treffen wir uns am Eingang im Museumsshop wieder, wo er eben die Flachfigur „Butterhanne“ verkauft. Dann zeigt er mir eine Bücherecke zur Zinnfigurenthematik. Sogar eine eigene Zeitung hat die Zunft: „Die Zinnfigur“, Monatszeitschrift der deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren.
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Antje
Baensch, eine engagierte Frau, die
mit viel Herz dieses aufwendige
Museum im Ehrenamt leitet, nimmt
mich mit in den ersten Stock, wo ich
meinen Rundgang durch die
1000jährige Goslar-Geschichte
beginnen darf. Da fallen mir die
Worte des Dichters Joachim
Ringelnatz ein: „Die Zinnfiguren
sind Verbindung zwischen Kunst und
Kind, sie schildern alle Zeiten…“
Genauso ist es: Alle Zeiten und ein
prachtvolles Ambiente erwarten mich
in der ersten Etage: Das kaiserliche
Goslar mit seinen Herrschern des 10.
bis 12. Jahrhunderts als großartige
Bedeutung für die Harzstadt. Vor
allem durch die Silberfunde am
Rammelsberg im Jahre 968 verlagern
sich die Interessen der deutschen
Kaiser immer mehr nach Goslar. Der
Rammelsberg mit seinem berühmten
Bergbau und seiner wechselvollen
Geschichte wurde zum Weltschlager.
Die eigens für die Neueröffnung
handgetischlerten Dioramen zeigen in
historischen Bildern die
Bergwerkslegende von der Blütezeit
im 16.Jahrhundert bis zur Schließung
im Jahre 1988. Vier Jahre später
wurde das Erzbergwerk Rammelsberg
mit seiner Kulturlandschaft als
erstes deutsches Industriedenkmal
und die durch Bergbau geprägte
Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe
erhoben.
Das Museum birgt insgesamt 20 Darstellungen zum Bergbau und 50 Dioramen zur 1000jährigen Historie der Stadt. Sogar das Glockenspiel, das neben Bergmannszenen die Sage der Erzauffindung des Pferdes von Ritter Ramm zeigt, ist als Exponat vertreten.
Beachtlich auch das kirchliche Goslar, für das Kaiser Heinrich III. im 11. Jahrhundert 47 Kirchen, Klöster und Kapellen im Stadtgebiet entstehen ließ. Man sprach damals von der Gottesstadt und dem „Rom des Nordens“.
Nicht weniger faszinierend präsentieren sich das bürgerliche Goslar mit einem der eindruckvollsten Fachwerkhäuser, das „Brusttuch“, das reich an Schmuckornamenten und Schnitzereien ist, und die prickelnde Figur der „Butterhanne“. Den Spruch, der der fleißigen Bauersfrau gewidmet ist: “Mit der linken Hand, da buttert sie, die rechte am Gesäße, so macht man hierzulande den guten Harzer Käse“, kennt ein jeder Bürger.
Kopfschüttelnd stehe ich vor der Vitrine, die die Sage der Goslarer Grenzziehung durch einen Ochsen um 1552 offenbart. Als Goslar durch den Riechenberger Vertrag mit dem Verlust der Wälder gedroht wurde, wollte Herzog Heinrich der Stadt so viel Waldfläche zugestehen, wie ein Ochse von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umlaufen kann. Durch diesen „Schandvertrag“ kam es zum Verlust des Rammelsbergs.
Das Museum birgt insgesamt 20 Darstellungen zum Bergbau und 50 Dioramen zur 1000jährigen Historie der Stadt. Sogar das Glockenspiel, das neben Bergmannszenen die Sage der Erzauffindung des Pferdes von Ritter Ramm zeigt, ist als Exponat vertreten.
Beachtlich auch das kirchliche Goslar, für das Kaiser Heinrich III. im 11. Jahrhundert 47 Kirchen, Klöster und Kapellen im Stadtgebiet entstehen ließ. Man sprach damals von der Gottesstadt und dem „Rom des Nordens“.
Nicht weniger faszinierend präsentieren sich das bürgerliche Goslar mit einem der eindruckvollsten Fachwerkhäuser, das „Brusttuch“, das reich an Schmuckornamenten und Schnitzereien ist, und die prickelnde Figur der „Butterhanne“. Den Spruch, der der fleißigen Bauersfrau gewidmet ist: “Mit der linken Hand, da buttert sie, die rechte am Gesäße, so macht man hierzulande den guten Harzer Käse“, kennt ein jeder Bürger.
Kopfschüttelnd stehe ich vor der Vitrine, die die Sage der Goslarer Grenzziehung durch einen Ochsen um 1552 offenbart. Als Goslar durch den Riechenberger Vertrag mit dem Verlust der Wälder gedroht wurde, wollte Herzog Heinrich der Stadt so viel Waldfläche zugestehen, wie ein Ochse von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umlaufen kann. Durch diesen „Schandvertrag“ kam es zum Verlust des Rammelsbergs.
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Das
„Breite Tor“ dient zum Schutz der
Stadtbevölkerung, dem bürgerlichen
Eigentum und der städtischen
Freiheit. So wurden Städte im
Mittelalter mit Graben- und
Wallanlagen eingefasst und mit
monströsen turmreichen Mauern
umzogen. Die Befestigungsanlage, die
die Goslarer vor Übergriffen
schützen sollte, war ein wichtiger
Abschnitt in Goslars
Stadtgeschichte.
Handwerk hat goldenen Boden. Die Menschen zeigten sich geschickt beim Häuserbau an der Abzucht, die zum Antrieb zahlloser Mühlen diente, und an der Gose, die wiederum die Stadt mit Trinkwasser versorgte.
Im zweiten Stockwerk besticht neben der fesselnden Bergwerksgeschichte die hochkarätige Sammlung „Der 30jährige Krieg“. Diese meisterhafte Ausstattung zu besuchen, ist ein Muss im Zinnfigurenland. Der legendäre General Tilly auf dem Wege zur Schlacht bei Lutter am Barenberge wird im Großdiorama mit 2100 Figuren greifbar nah vorgeführt. Einerseits ist die Zinnfigurenvitrine ein exzellentes Medium, um die Situation perfekt darzustellen, andererseits könnten die edlen Figuren Schrecken und Grauen dieses verheerenden Krieges auf deutschem Boden ein wenig verharmlosen. Es ist eben eine Gratwanderung…Ein schweres Leben führten auch die Marketenderinnen, die mit den kaiserlichen Truppen umherzogen, sie versorgten und ihnen medizinisch beistanden. Auch die Figur der „Mutter Courage“, als weltbekannte Marketenderin ist zu sehen.
Handwerk hat goldenen Boden. Die Menschen zeigten sich geschickt beim Häuserbau an der Abzucht, die zum Antrieb zahlloser Mühlen diente, und an der Gose, die wiederum die Stadt mit Trinkwasser versorgte.
Im zweiten Stockwerk besticht neben der fesselnden Bergwerksgeschichte die hochkarätige Sammlung „Der 30jährige Krieg“. Diese meisterhafte Ausstattung zu besuchen, ist ein Muss im Zinnfigurenland. Der legendäre General Tilly auf dem Wege zur Schlacht bei Lutter am Barenberge wird im Großdiorama mit 2100 Figuren greifbar nah vorgeführt. Einerseits ist die Zinnfigurenvitrine ein exzellentes Medium, um die Situation perfekt darzustellen, andererseits könnten die edlen Figuren Schrecken und Grauen dieses verheerenden Krieges auf deutschem Boden ein wenig verharmlosen. Es ist eben eine Gratwanderung…Ein schweres Leben führten auch die Marketenderinnen, die mit den kaiserlichen Truppen umherzogen, sie versorgten und ihnen medizinisch beistanden. Auch die Figur der „Mutter Courage“, als weltbekannte Marketenderin ist zu sehen.

Zurzeit sind auf der zweiten Etage
eine Sonderausstellung der
Prozessionsstraße zu Babylon und der
Turmbau zu Babel aus der Zeit des
Königs Nebukadnezar II. zu
bewundern. Im Hauptdioram setzen 602
Zinnfiguren den Betrachter in
Erstaunen. Sie streifen eine Episode
aus dem Jahre 575 vor unserer
Zeitrechnung. In einem Nebendiorama
kann man einen Bankettsaal, in dem
die Gäste des Königs speisten und
ihre Sklavinnen zur höchst
erquicklichen Unterhaltung der hohen
Herren beitrugen, betrachten.
Welche unglaubliche Vielfalt an faszinierender Zinnfigurenkunst, bemalten, gravierten Flachfiguren oder vollplastischen Statuetten dieses Museum behütet! Jedes Sammlerherz wird höher schlagen, und kein Besucher kann sich der Augenweide der filigranen Schönheit „Zinnfigur“ auf den zwei Stockwerken entziehen. Man muss wiederkommen!
Es gibt nichts, was sich nicht als Zinnfigur darstellen lässt. Selbst wenn es irgendeine Figur nicht geben sollte, kann sie noch gegossen, gelötet und bemalt werden. Man braucht nur Phantasie! Aus Phantasie entsteht alles Neue! Wechselnde Sonderschauen und eine Kabinettausstellung werden das stolze Projekt auf Lebenszeit spannend für jung und alt halten. Und nicht zuletzt unternimmt die ehrenamtliche Garde des Zinnfiguren-Museums alles dafür, dass der Besuch für jeden Gast ein unvergesslicher bleibt! Auch für mich. Ich sitze im Moment mit Frau Baensch bei einer Tasse Kaffe zusammen, notiere einiges und spüre dabei noch einmal der Harmonie des Zinnfigurenmuseums nach. Es ist unvergleichlich schön hier…
Das Zinnfiguren-Museum in der Lohmühle finden Sie am Museumsufer, Klapperhagen Nr.1 (zwischen Domvorhalle und Marktplatz). Es ist täglich (außer Monatgs) von 10 bis 17Uhr für kleine und große Besuchergeöffnet.
Welche unglaubliche Vielfalt an faszinierender Zinnfigurenkunst, bemalten, gravierten Flachfiguren oder vollplastischen Statuetten dieses Museum behütet! Jedes Sammlerherz wird höher schlagen, und kein Besucher kann sich der Augenweide der filigranen Schönheit „Zinnfigur“ auf den zwei Stockwerken entziehen. Man muss wiederkommen!
Es gibt nichts, was sich nicht als Zinnfigur darstellen lässt. Selbst wenn es irgendeine Figur nicht geben sollte, kann sie noch gegossen, gelötet und bemalt werden. Man braucht nur Phantasie! Aus Phantasie entsteht alles Neue! Wechselnde Sonderschauen und eine Kabinettausstellung werden das stolze Projekt auf Lebenszeit spannend für jung und alt halten. Und nicht zuletzt unternimmt die ehrenamtliche Garde des Zinnfiguren-Museums alles dafür, dass der Besuch für jeden Gast ein unvergesslicher bleibt! Auch für mich. Ich sitze im Moment mit Frau Baensch bei einer Tasse Kaffe zusammen, notiere einiges und spüre dabei noch einmal der Harmonie des Zinnfigurenmuseums nach. Es ist unvergleichlich schön hier…
Das Zinnfiguren-Museum in der Lohmühle finden Sie am Museumsufer, Klapperhagen Nr.1 (zwischen Domvorhalle und Marktplatz). Es ist täglich (außer Monatgs) von 10 bis 17Uhr für kleine und große Besuchergeöffnet.