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Sonderausstellung Achtung Weibsperson! 

„FasZINNierende Frauen“

Stellung und Rolle der Frau haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert: Die Frau als das „schwache Geschlecht“ – dieses Vorurteil hat ein langes und zähes Leben – trifft nicht für alle Zeiten und alle Schichten zu.
Um sich ein Urteil bilden zu können, ist es wichtig zu erfahren, wie Frauen in unterschiedlichen Gesellschaftsformen gelebt haben. Festzustellen ist, dass es vor allem die Arbeit war, die von Frauen getan worden ist, die entscheidend für die Machtfülle war, die sie besessen haben. Das unterscheidet nicht nur eine historische Periode von der folgenden, sondern auch die Frauen der verschiedenen Bevölkerungsgeschichten voneinander.
Um über die Stellung der Frau zu urteilen, müssen wir ihr konkretes tägliches Leben, die Arbeit, die sie verrichtet, von der sie gelebt haben, miteinbeziehen.

In der Urzeit, in der die Menschen abhängig von der Natur waren, haben die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau ein größeres Gewicht gehabt als heute. Frauen waren zu einem großen Teil ihres Lebens schwanger oder stillten ihre Kinder. Das hatte zur Folge, dass sie sich weniger schnell bewegen konnten und so ihre Arbeit in der Nähe der „Unterkunft“ taten. Männer verrichteten die Arbeiten, bei denen es auf Schnelligkeit und Muskelkraft ankam. Die erste Arbeitsteilung war also die zwischen Mann und Frau. Das heißt aber nicht, dass daraus logischerweise die Herrschaft der Männer über die Frauen folgen musste. Es gibt Hinweise, dass es auch Matriarchat gegeben hat.

Leider ist es so, dass hauptsächlich über Ausnahmefrauen berichtet oder geforscht wurde. Männer hatten als Untersuchungsobjekt eine größere Bedeutung gehabt. Über das gewöhnliche Leben unserer weiblichen Vorfahren
wissen wir sehr wenig. Englische Feministinnen sagen: „History is his story.“

Aber die wichtigen Dinge, die wir wissen, sind sehr interessant. Da gibt es starke Frauen, die schon vor langer Zeit gegen Unterdrückung aufgestanden sind, Hexen und Frauen, die in Revolutionen gekämpft haben.

Ein Rückblick in die Geschichte zeigt Frauen schon im Altertum, beginnend mit den Pharaoninnen, die im Alten Ägypten herrschten, aber auch Alchemistinnen, Astronominnen und Philosophinnen, die im antiken Griechenland
junge Frauen und Männer unterrichteten oder in der weltbekannten Bibliothek von Alexandria lehrten.


Im Mittelalter waren es Herrscherinnen, die für ihre unmündigen Kinder und bei Abwesenheit ihrer Männer das Reich regierten, Hebammen und Kräuterfrauen, die mit Heilpflanzen Leben retteten oder dieses erleichterten (im Kloster heilig, außerhalb der Klostermauern als Hexen verfolgt) und Frauen, die mit Schwert und in Rüstung für ihr Land und ihre Überzeugung kämpften und dabei auch vielfach ihr Leben ließen.

Es geht weiter in der Renaissance, im Barock und Rokoko mit Frauen als Malerinnen, die naturrealistische, wissenschaftliche Zeichnungen anfertigten, bedeutende Gemälde schufen und dabei männlichen Künstlern wie Da Vinci oder Caravaggio in Nichts nachstanden, aber auch Schriftstellerinnen, die Romane in neuen Bereichen verfassten, sowie hochgebildete Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen im aufkommenden technischen Zeitalter (Pionierinnen ihrer Zeit), die medizinische und technische Errungenschaften entdeckten und entwickelten, welche das Leben für viele einfacher machten und der Gesellschaft zum Fortschritt verhalfen.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts fordern die Frauen gleiche Rechte, da die Menschenrechte deklariert werden und Frauen „ausschließen“ - Frauen haben kein Recht auf Bildung, keine Verfügungsgewalt über ihr Eigentum
und sie können keine Verträge unterzeichnen. In der Neuzeit setzten und setzen sich Frauen dafür ein, dass ihnen in sogenannten „Männerberufen“ und der Politik ebenso wie im Alltagsleben und in der Gesellschaft die gleichen Rechte
zugestanden werden, wie sie die Männer bereits seit Jahrhunderten für sich beanspruchen.

Es ist bei uns gerade erst 100 Jahre her, dass Frauen das Recht zugestanden wurde, aktiv an Wahlen teilzunehmen. Ebenso fiel erst vor knapp 50 Jahren die Regelung fort, wonach die Frau in erster Linie zur Haushaltsführung, der Mann zum finanziellen Unterhalt der Familie verpflichtet war und die Ehefrau nur dann berufstätig sein durfte, wenn sie ihre familiären Verpflichtungen nicht vernachlässigte bzw. dann berufstätig sein musste, wenn die Einkünfte des Mannes für den Familienunterhalt nicht ausreichten. Stattdessen sollten nach dem neuen Eherecht die Eheleute die Haushaltsführung in gegenseitigem Einverständnis regeln. Beide waren nunmehr berechtigt, berufstätig zu sein, beide mussten auf die Familie Rücksicht nehmen.

Auch in Goslar und der Harzregion haben besondere Frauen und Frauengruppen gelebt und gewirkt.
Von Herrscherinnen zu Kräuterfrauen, Lastenträgerinnen und Bergmannsfrauen bis zur modernen Apothekerin, Chemikerin oder Politikerin. Noch heute sind einige ihrer Spuren sichtbar, ob in Bauwerken, Denkmälern oder in Straßennamen. So leben sie auch heute noch, lange nach ihrem Tod, in unserer Erinnerung und in unserem Alltag weiter.

Unser Ziel der „Frauenausstellung“ ist es, das Leben und ihre Leistungen, aber auch die Geschichten von bekannten und weniger bekannten, berühmten und herausragenden Frauen darzustellen, um zu zeigen, was sie erreicht haben und was sie so außergewöhnlich macht. Wir können nur eine Auswahl zeigen und hoffen, dass wir Interesse an diesem spannenden Thema wecken können, gleichzeitig aber auch Mut machen, sich weiter für die Gleichberechtigung einzusetzen. Wir sind noch lange nicht am Ende unseres Weges angekommen.