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Sonderausstellung "Überall und mittendrin - Das Handwerk"

Wer will fleißige Handwerker sehen……

Die zweite Sonderausstellung dieses Jahres nimmt einen Streifzug durch die Geschichte des Handwerks und der Handwerker vor. Vom Alten Ägypten über das Römische Reich und das Mittelalter bis in die Neuzeit zeigen wir Handwerksberufe in nahezu allen Facetten.

Dabei finden Sie die Berufe nicht streng in chronologischer Reihenfolge; vielmehr sind Handwerker aus allen Zeiten unter Oberbegriffen zusammengefasst: etwa Handwerker stillen Hunger und Durst, sie bekleiden, bauen und verschönern, sie pflegen, erleichtern und bereichern das Leben. Der Verfügbarkeit der jeweiligen Zinnfiguren ist es geschuldet, dass nicht jeder einzelne Handwerksberuf dargestellt werden kann. Dafür blickt die Ausstellung an einigen Stellen auch ein wenig „über den Tellerrand hinaus“, indem – etwa bei Nahrungsmittelberufen – auch verwandte, die Tätigkeit des Handwerkers berührende Berufe gezeigt werden: Winzer, Landwirte.

Als Handwerk (von mittelhochdeutsch hant-werc) werden gewerbliche Tätigkeiten bezeichnet, die Produkte meist auf Bestellung fertigen oder Dienstleistungen auf Nachfrage erbringen. Der Begriff bezeichnet auch den gesamten Berufsstand. Die handwerkliche Tätigkeit steht der industriellen Massenproduktion gegenüber.

Im Griechenland der klassischen Zeit war die Handwerkskunst nach Platon, Aristoteles und Xenophon nicht besonders angesehen, allerdings auch nicht verachtet. (Dass die Ausstellung keine Handwerker des alten Griechenlands zeigt, ist aber reiner Zufall).

Für das antike Rom mit seinen vielen urbanen Zentren war das Handwerk unentbehrlicher Bestandteil der Wirtschaft und des täglichen Lebens der Bevölkerung.

Im weitgehend bäuerlich geprägten Frühmittelalter stand noch die häusliche Eigenproduktion im Vordergrund. Die sich später spezialisierenden Handwerkstätigkeiten (Verarbeitung von Nahrungsmitteln, Herstellung von Textilien, Fertigen von Geräten und Bauten aus Holz) spielten noch eine geringe Rolle. Besondere Arbeitstechniken wie Malerei, Bronzeguss und Bildhauerei waren zunächst vor allem an Klöster gebunden. Erst im Hochmittelalter mit zunehmender Städtebildung erhielten urbane Zentren ihre antike Bedeutung zurück. Hergestellte Waren wurden auf Märkten angeboten oder in Werkstätten oder Läden ausgestellt und verkauft. Ausnahmen waren Baumeister und Steinhauer, die von einer (kirchlichen) Bauhütte zur nächsten zogen und damit über territoriale Grenzen hinweg Fertigkeiten, Innovationen und Stilrichtungen verbreiteten.

Wichtige Handwerksberufe, die umfangreicher Ausrüstung bedurften, waren Schmied und Töpfer. Mit der kulturellen Entwicklung des städtischen Lebens einher ging die Diversifizierung von Textilherstellung und Lederverarbeitung. Auch Goldschmiede, Möbeltischler und Zinngießer brachten nun handwerkliche Sonderleistungen hervor. Bis zum Ende des Mittelalters schlossen sich einzelne Gewerbe der städtischen Handwerkerschaft zu selbstverwalteten Zünften zusammen.

Viele Handwerksberufe boten wohl die Möglichkeit zu Wohlstand zu kommen, doch galt dies sicher nicht für alle: Das aus dem Mittelalter stammende, bekannte Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ lautet vollständig „Handwerk hat goldenen Boden, sprach der Weber, da schien ihm die Sonne in den leeren Beutel“ und weist damit etwas sarkastisch auf die Armut vieler kleiner Handwerksmeister, z.B. der Weber, hin.

In der frühen Neuzeit, ab dem 16. Jahrhundert, nahmen die berufsständischen Regelungen immer weiter zu. Ergriffen wurde der Beruf überwiegend standesgemäß, also nach der Ständeordnung. Ohnehin waren Frauen, Juden, unehelich geborenen Söhnen und Nachkommen von „Ehrlosen“ (etwa Henkern) der Zugang zum Handwerk verwehrt. Allerdings spielte die Frau des Meisters eine für die Zeit ungewöhnlich große Rolle. Sie war nicht nur an nahezu allen Produktionsvorgängen beteiligt, sondern konnte als Witwe auch vielfach den eigenen Betrieb weiterleiten.

Als Folge der Französischen Revolution brachte das 19. Jahrhundert für die deutschen Staaten und das Deutsche Reich in mehreren Schritten die Gewerbefreiheit.

Heute sind Handwerksbetriebe in Deutschland nach der Handwerksordnung in 41 zulassungspflichtigen, 53 zulassungsfreien und 57 handwerksähnlichen Gewerben tätig. Aktuell bietet das Handwerk bei uns 130 Ausbildungsberufe.

Rund 50 verschiedene Handwerksberufe aus unterschiedlichen Zeiten werden in unseren Vitrinen dargestellt: Bäcker, Brauer, Koch, Metzger und andere in der Abteilung „Handwerk stillt Hunger und Durst“, bei den Bekleidungsberufen zeigen wir unter anderem Gerber, Schneider, Schuster, Tuchmacher und Weber, in der Abteilung „Handwerk baut und verschönert“ finden sich Bildhauer, Bauleute, Glockengießer, Steinmetze und Zimmerleute. Barbiere/Friseure und Zahnreißer repräsentieren die „Pflegeberufe“, über 20 Berufe und Berufsgruppen aber die Rubrik „Handwerk erleichtert und bereichert das Leben“: vom Beutler zum Schmied, vom Drucker zum Wagner, vom Fotografen zum Uhrmacher, vom Buchbinder zum Sattler.

Die Ausstellung verwendet in der Masse zwar die klassische 30mm-Flachfigur, dazu aber auch Miniaturen in anderen Größen und Formen. Neben der vollplastischen Einzelfigur sieht man Vignetten unterschiedlicher Größen bis hin zu kompletten Dioramen.

Thomas Beier, Harsum, im Juni 2020